Medikamente

Medikamente nicht einfach absetzen

Medikamente

Foto: freestocks-nss2eRzQwgw-unsplash

Kennen Sie das auch? Sie fühlen sich fit und gesund, da wird es schnell lästig, regelmäßig die vom Arzt verschriebenen Medikamente einzunehmen. In Deutschland sollen es rund 50 Prozent der Patienten bei Langzeittherapien sein, die ihre Medikamente gar nicht oder falsch einnehmen. Diese sogenannte fehlende Einnahmetreue verursacht jährlich mehrere Milliarden Euro direkte Kosten u. a. aufgrund von Krankenhauseinweisungen. In diesem Beitrag erfahren Sie, warum es nicht sinnvoll ist, Medikamente ohne ärztlichen Rat abzusetzen. Auch die Dosierung sollte nicht ohne Absprache verändert werden. Eine vom Arzt verordnete Therapie kann nur gelingen, wenn sie eingehalten wird. Grundvoraussetzung dafür ist die Therapietreue. Denn Arzneimittel können erst dann einen definierten Wirkstoffspiegel im Körper des Patienten erreichen, wenn die Einnahme lückenlos erfolgt. Wird der Wirkstoffspiegel mal erreicht und mal nicht, gefährdet das den Therapieerfolg.

Gründe für die mangelnde Therapietreue

Eine mangelnde Therapietreue stellen Apotheker vor allem bei älteren oder chronisch kranken Patienten fest. Insbesondere die Anzahl der einzunehmenden Medikamente macht es älteren Menschen schwer, den Anweisungen des Arztes zu folgen. Oft wird ein Medikament einfach vergessen. Wer schlecht sieht oder wenig Kraft in den Händen hat, scheitert manchmal schon daran, dass er die Verpackung des Arzneimittels nicht öffnen kann.

Rat und Hilfe in der Unterstützung suchen

Hier kann der Apotheker helfen: Patienten mit Einschränkungen in Kraft und Beweglichkeit der Hände unterstützt der Apotheker mit Hilfsmitteln wie Greif- oder Schraubhilfen, Öffnern für Blister oder Tablettenteilern. Tablettendosierhilfen mit Unterteilungen für einen Tag oder eine Woche sind weit verbreitet. Es gibt aber auch elektronische Pillenboxen mit Erinnerungsfunktion. Moderne Handys können ebenfalls als Erinnerungshilfe fungieren. Grundsätzlich sollte die Einnahme der Medikamente mit täglichen Routinehandlungen wie dem Frühstück verbunden werden.

Mangelnder Leidensdruck

Fühlen sich Patienten gesund und fit, bezweifeln sie häufig den Nutzen ihrer Medikation. Erkrankte können aber nicht selbst beurteilen, wie wichtig eine Medikamenteneinnahme für sie ist, Fortschritte wirken sich nicht unbedingt sofort auf das Wohlbefinden aus. So nehmen Patienten einen hohen Blutdruck nicht wahr. Die Folge: Die Motivation, dauerhaft ein regulierendes Arzneimittel einzunehmen, sinkt. Doch eine unregelmäßige Einnahme wird den Blutdruck nicht nachhaltig senken. Im schlimmsten Fall drohen Herz-Kreislauf-Ereignisse oder ein Schlaganfall. Deshalb erklären Apotheker gern ausführlich, wie Arzneimittel wirken und welche Folgen es haben könnte, sie nicht einzunehmen.

Chronisch Kranke hingegen folgen zunächst sehr gewissenhaft ihrer verordneten Therapie. Nach drei bis sechs Monaten verlässt Viele jedoch das Durchhaltevermögen.

Manche Patienten haben die Vorstellung, dass sie sich „etwas Gutes“ tun, wenn sie ab und zu ihre Medikamente nicht nehmen. Apotheker sprechen bei diesem Phänomen von den „Drug-Holidays“, die man sich gönnt. Dass eine solche Auszeit eine Gefahr für die Gesundheit darstellt und den Therapieerfolg gänzlich in Frage stellt, ist vielen Patienten gar nicht bewusst.

Angst vor Nebenwirkungen

Wer nach Durchsicht des Beipackzettels unsicher geworden ist und Angst vor Nebenwirkungen hat, sollte nicht das Medikament absetzen, sondern zunächst einen Apotheker befragen. Grundsätzlich sollten Betroffene oder auch Familienmitglieder gleich am Anfang der Therapie einen Beratungstermin bei ihrem Apotheker vor Ort vereinbaren. Der Apotheker unterstützt den Patienten, dass die vom Arzt verordnete Therapie auch umgesetzt wird. Er erklärt noch einmal die genaue Wirkungsweise des Arzneimittels, weist auf Nebenwirkungen hin und wie mit diesen umzugehen ist. Wird ein Medikament nicht gut vertragen, sollte es auf keinen Fall ohne Rücksprache mit dem Arzt abgesetzt werden. In einem solchen Fall ist ein weiterer Besuch beim Arzt unumgänglich, um nach einer Alternative zu suchen.

Nimmt z. B. ein Typ-2-Diabetiker seine Medikamente nicht ein, muss dieser mit schweren Folgeerkrankungen rechnen, die aufwendiger zu therapieren sind, als der Diabetes selbst. Noch immer kommt es wegen mangelnder Therapietreue zu Amputationen bei Diabetikern.

Apotheker empfehlen das Führen eines Patiententagebuchs, in das der Patient seine Blutdruckwerte oder Blutzuckerwerte während der Therapie einträgt und somit den Effekt der Medikation erkennen kann.

Mit Ritualen zum Erfolg

Wer Routinen schafft und die Medikamente als festen Bestandteil in den Alltag integriert, schafft gute Voraussetzungen für eine erfolgreiche Therapie. Um zu verhindern, dass die Einnahme der Medikamente zum jeweils korrekten Zeitpunkt vergessen wird, empfiehlt sich die Aufbewahrung an einem bestimmten, gut sichtbaren Platz. Patienten sollen versuchen, eine Einnahmeroutine zu entwickeln, die als fester Bestandteil des Tagesablaufs zur Gewohnheit wird. Helfen kann die Erinnerung durch das Handy, durch Angehörige oder durch einen Wecker.

Besonders wenn mehrere Präparate zu unterschiedlichen Tageszeiten eingenommen werden müssen, ist das Selbstmanagement nicht einfach. Hierbei kann die Apotheke Unterstützung leisten und zum Beispiel einen Medikationsplan erstellen. Bei der Umsetzung hilft ein Tablettendispenser. In so einer Pillenbox können Patienten die Medikamente mit dem Medikationsplan aus der Apotheke selbst oder mit Unterstützung durch Angehörige für eine Woche vordosieren. Es gibt sogar Systeme mit elektronischer Einnahme-Überwachung. Bei einem Kurzurlaub kann die Pillenbox vorab befüllt werden. Sie nimmt im Koffer weniger Platz weg als zahlreiche Tablettenpackungen.

Bei Nebenwirkungen oder Zweifeln an der Wirksamkeit eines Medikaments oder auch wenn sehr viele Medikamente verordnet worden sind, sollte der behandelnde Arzt oder der Apotheker zu Rate gezogen werden. Gerade ältere Patienten beziehen viele Rezepte aus verschiedenen Praxen, sodass ein einzelner behandelnder Arzt schwer einen Überblick über die Gesamtmedikation gewinnen kann. Durch zusätzliche Selbstmedikation besteht die Gefahr von Wirksamkeitseinbußen oder Neben- und Wechselwirkungen.

Vertrauen zahlt sich aus

Ein ganz wichtiger Aspekt bei der Therapietreue ist das Verhältnis zwischen Apotheker und Patient. So kann der Apotheker den Therapieplan ausgiebig erklären und auf Fragen oder Befürchtungen des Patienten eingehen. Da die Risiken einer mangelnden Einnahmetreue hoch sind, ist die konsequente Einhaltung der medikamentösen Therapie unerlässlich. Dies gilt insbesondere für Medikamente, die zu einem bestimmten Zeitpunkt in der richtigen Dosierung eingenommen werden müssen, beispielsweise Antibiotika oder Parkinsonmedikamente. Betroffene, die ein vom Arzt verordnetes Arzneimittel absetzen wollen, müssen vorher unbedingt mit ihrem Arzt oder Apotheker Rücksprache halten. Oft kann ein Gespräch mit dem Apotheker Bedenken aus der Welt schaffen und den Patienten neu für seine Therapie motivieren. Siehe auch Blogbeitrag: https://gesundheits-schnack.de/neues-medikament

Ein Beratungsgespräch in der Apotheke kann der Anpassung des Behandlungsplans und der Vereinfachung des Medikamentenregimes dienen. Möglicherweise empfiehlt der Apotheker Kombipräparate, um die Anzahl der Medikamente zu reduzieren. Der Behandlungsplan sollte auf keinen Fall vom Patienten in Eigenregie geändert werden.

Selbst bei Therapieerfolg, wenn man wieder gesund ist, kann es bei manchen Medikamenten unangenehme Folgen haben, wenn man sie plötzlich absetzt. Ein schrittweises Absetzen, das sogenannte Ausschleichen in Absprache mit dem Arzt und Apotheker ist gegebenenfalls besser.

Schreiben Sie eine Antwort