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Der Morgen danach: Elektrolyt-Präparate sind kein „Katerkiller“

Elektrolyte

Foto: Polina Tankilevitch_pexels.com

Zum guten Rutsch ins neue Jahr gehört für viele eine ausgelassene Feier. Damit sich am nächsten Morgen kein fieser Kater breit macht, setzen manche Partygänger auf Elektrolyt-Präparate. Diese sollen Kopfschmerzen, Schwindel, Übelkeit, „Brain Fog“ und allgemeines Unwohlsein lindern oder ihnen sogar vorbeugen. Die Arzneimittel können zwar helfen, den Flüssigkeits- und Mineralstoffhaushalt wieder aufzufüllen, einfache Hausmittel sind gegen einen Kater aber ebenso effektiv und deutlich kostengünstiger. Darüber hinaus sind Elektrolyt-Präparate zur Behandlung von Krankheiten wie Durchfall gedacht und ihr Missbrauch als Lifestyle-Medikamente kann sogar zu Lieferengpässen führen. Das beste Mittel gegen den Kater ist, ganz auf Alkohol zu verzichten – zum Beispiel mit einem Dry January.

Viele Lebensmittel liefern Elektrolyte

Elektrolyte wie Natrium, Kalium oder Calcium sind zum Beispiel in Mineralwasser, verschiedenen Sportgetränken sowie Apfel- und Orangensaft enthalten, die pur oder als Schorle getrunken werden können. Da Alkohol dem Körper Wasser entzieht, können Betroffene mit den Getränken gleich neue Flüssigkeit zuführen. Auch Bananen sind eine natürliche Elektrolyt-Quelle. Bei starkem Unwohlsein können salzige Speisen und kohlenhydratreiche Nahrungsmittel helfen. Als geeignete Mahlzeit, um den Kater etwas abzumildern, hat sich Laugenbrezel mit Mineralwasser bewährt. Sollte zusätzlich eine Kopfschmerztablette nötig sein, berät das Team in der Apotheke vor Ort, welche Präparate die durch den Alkohol belastete Leber am wenigsten beanspruchen.

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(Wie) Kann man einem Kater vorbeugen?

Elektrolyte bereits vor dem Alkoholkonsum einzunehmen, hat keine vorbeugende Wirkung, da der Flüssigkeits- und Mineralstoffhaushalt noch ausgeglichen ist. Es kann allerdings sinnvoll sein, während des Feierns zu jedem Glas Wein ein Glas Mineralwasser oder ein anderes mineralhaltiges, alkoholfreies Getränk wie Apfel- oder Orangensaft zu konsumieren. Wer nicht komplett auf Alkohol verzichten möchte, sollte generell seine persönliche Grenze kennen und beachten. Eine allgemeine Regel, wie viel Alkohol eine Person trinken kann, ohne einen Kater zu bekommen, gibt es nicht. Die Menge hängt stark von individuellen Faktoren wie Stoffwechsel, körperlicher Konstitution, Genetik, Lebensgewohnheiten und etwaigen Vorerkrankungen ab.

Lifestyle-Anwendung gefährdet Patientenversorgung

Elektrolyt-Präparate aus der Apotheke vor Ort sind Arzneimittel und ausschließlich für die zugelassenen Anwendungsgebiete wie Magen-Darm-Infekte gedacht. Vor allem bei Säuglingen und Kleinkindern sowie alten Menschen können starke Durchfälle in Verbindung mit unaufhörlichem Erbrechen schnell zu ernsthaften Folgen wie Bewusstseinstrübungen oder Schocks führen. Der unsachgemäße Gebrauch als Katermittel kann Lieferengpässe begünstigen und gefährdet somit die Versorgung von Patienten, die Elektrolyte tatsächlich aus medizinischen Gründen benötigen. Darüber hinaus kann die sorglose Einnahme in Einzelfällen ein gesundheitliches Risiko darstellen, wenn andere Erkrankungen wie eine Niereninsuffizienz vorliegen oder Wechselwirkungen mit anderen Arzneimitteln wie Herzmedikamenten auftreten. Auch bei Bluthochdruck oder Diabetes ist Vorsicht geboten.

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Wie entsteht eigentlich ein Kater?

Grundsätzlich wird ein Kater durch übermäßigen Alkoholkonsum ausgelöst. Entscheidend ist die Menge – in welcher Reihenfolge zum Beispiel Bier und Wein getrunken werden, spielt keine Rolle. Die genauen Mechanismen im Körper sind wissenschaftlich noch nicht abschließend geklärt. Bekannt ist allerdings, dass Ethanol, also gewöhnlicher Alkohol, die Rückgewinnung von Wasser aus dem Urin durch die Nieren hemmt. In der Folge verliert der Körper mehr Wasser als gewöhnlich sowie darin gelöste Elektrolyte. Ein Kater entwickelt sich normalerweise, wenn die Alkoholkonzentration im Blut wieder sinkt. Das heißt, die Beschwerden sind am stärksten, sobald man wieder nüchtern wird. Vollständig verhindern lässt sich ein Kater weder durch die beschriebenen Hausmittel noch durch Elektrolyt-Präparate.